Konferenz über Gedankenfreiheit

Russell Tribunal zur Frage der Menschenrechte in der Psychiatrie

„Geist gegen Gene“

Berlin, 29. Juni 2001

Grußwort von Mary Robinson

Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte

Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bestätigt: „Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit“. Und dennoch sind wir uns alle bewusst, dass es noch immer eine Lücke gibt zwischen dieser sowie anderen feierlichen Verpflichtungen in der Allgemeinen Erklärung und der Realität der Menschenrechte weltweit.

Oft sind es Menschen, die als „anders“ gelten – Minderheiten, Behinderte, Menschen unterschiedlichen Glaubens oder unterschiedlicher Herkunft, deren Grundrechte am meisten gefährdet sind. Die Weltkonferenz der Vereinten Nationen gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit  und damit zusammenhängende Intoleranz, vom 31. August bis 7. September 2001 in Durban, Südafrika, bietet Gelegenheit erneut zu bekräftigen, dass zwar jeder von uns ein einmaliges Individuum und von Natur aus oder durch Erziehung geprägt ist, aber dass wir alle gleich an Würde und Rechten sind.

Ich freue mich, dass diese Konferenz zur Gedankenfreiheit diese Fragen aufgreifen und sich besonders mit den Gebieten der Psychiatrie und Biotechnologie befassen wird. Außergewöhnliche Fortschritte finden derzeit in diesen Bereichen statt. Sie versprechen weitere Verbesserungen unserer Lebensqualität, aber wie werfen auch grundlegende Menschenrechtsfragen auf. Es ist klar, dass Biowissenschaftler eine entscheidende Rolle spielen. Nicht nur beim Schutz der Rechte derer, die psychiatrische und andere ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, sondern auch im verantwortungsvollen Einsatz des biotechnologischen Wissens für diese und zukünftige Generationen.

Die Durban-Konferenz bietet der internationalen Gemeinschaft die Gelegenheit, die Vielfalt der Menschheit wahrzunehmen. Sie ermutigt uns, bestärkt durch die gleichberechtigte Teilnahme von Frauen und Männern, alle erfinderischen, kreativen und moralischen Möglichkeiten voll zu nutzen. Ich möchte Ihnen allen für Ihr Engagement zur Verwirklichung von Gleichberechtigung und Gerechtigkeit für alle Menschen aufrichtig danken und entbiete Ihnen meine besten Wünsche für einen erfolgreichen Verlauf dieser Konferenz.

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