May 2nd - Day of Remembrance and Resistance

 



Streit über Gedenktafel
Text zur Erinnerung an Opfer der NS-Euthanasie sorgt für Ärger

© Von Peter Nowak

Die „Gedenkstätte für Opfer der NS-Euthanasie" in Bernburg und Psychiatrieerfahrene streiten über den Text einer Gedenktafel.

BERLIN - 21. MAI - "Vor der ganzen Welt kommen wir hier zusammen, um diese Erinnerungstafel dem Andenken an alle von Ärzten und Psychiatern Ermordeten in Deutschland von 1939 bis 1948 zu widmen." So lautete der erste Absatz der Tafel, die in deutscher, englischer, hebräischer und polnischer Sprache an die kranken und behinderten Menschen erinnern sollte, die im Rahmen des Euthanasie-programms ermordet wurden. Im Mai wurde die Tafel von der "International Association Against Psychiatrie Assault" (Internationale Vereinigung gegen psychiatrische Gewalt) in der "Gedenkstätte für Opfer der NS-Euthanasie" in Bernburg (Sachsen-Anhalt) angebracht.

Mittlerweile wurde die Tafel von der Gedenkstättenleitung wieder entfernt. Stein des Anstoßes war die Aus-dehnung der psychiatrischen Morde bis auf das Jahr 1948. Darin sieht die Gedenkstättenleiterin Ute Hoffmann eine Relativierung der national-sozialistischen Euthanasiemorde. Sie habe in einem Fax an die Initiative ausdrücklich um eine Änderung

dieser Passage gebeten.

Der Sprecher der Psychiatrie-erfahrenen Berlin-Brandenburg, Rene Talbot, der die Verhandlungen mit der Gedenkstätte geführt hat, zeigt sich verwundert. "Wir hatten nach Einwänden von Frau Hoffmann den Text an zwei Stellen verändert und dann eine Einigung erzielt." Die Jahreszahlen stünden im Einklang mit neueren Forschungsergebnissen.

Mittlerweile ist der Gesprächsfaden zwischen der Betroffenengruppe und der Gedenkstättenleitung abgerissen. Ute Hoffmann nannte bauliche Maßnahmen als Grund für das Abhängen der Tafel, war aber zu keiner weiteren Stellungnahme bereit. Hagai Aviel von der israelischen Sektion der Psychiatriekritiker, der zur Einweihung der Tafel eine kleine Rede gehalten hatte, ist besonders enttäuscht über diese Entwicklung. Er will die Erinnerungstafel jetzt in einer israelischen Gedenkstätte aufstellen.

"In Deutschland ist die Zeit leider noch nicht reif' so Aviel bedauernd.

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